Geschichte der
Naturheilkunde
Die Naturheilkunde entwickelte
sich empirisch durch Beobachtung und Anwendung.
Viele ihrer Leitlinien entstanden durch das aufmerksame
Beobachten der Natur. Den Ursprung kann man auf das instinktive
Verhalten von Tieren zurückführen.
Sie hören auf zu fressen, wenn sie sich nicht wohl fühlen,
kühlen entzündete Stellen oder suchen die Wärme, wenn sie
durchgefroren sind.
Die ersten Menschen hatten wahrscheinlich dieselben Instinkte
und haben nach und nach gelernt, Wasser, Luft, Sonnenlicht und
Pflanzen zur Linderung von Schmerzen zu nutzen.
Hippokrates, der Vater der Medizin, war einer der ersten, der
schon im alten Griechenland die Bedeutung der natürlichen Heilkraft
erkannte. Er beschrieb die grundlegenden Regeln der natürlichen
Gesundheitspflege und erkannte den Wert des Fiebers als Ausdruck
des Heilungsprozesses. Die Römer entwickelten das Heilbaden zu
einer Wissenschaft und errichteten Badeorte, die — sogar heute noch
— körperliche Beschwerden wie Arthritits lindern helfen.
Im 19. Jahrhundert, fast 2000 Jahre später also, begannen einige
Leute, diese natürlichen Heilmethoden wiederzuentdecken und andere
einfache Heilmethoden zu entwickeln. Ein deutscher Bauer, Johannes
Schroth, beobachtete, dass sein Zugpferd nur trockene Kleie fraß,
wenn es sich einen Knöchel verstaucht hatte. Das veranlaßte ihn,
die »Schrothkur« zu entwickeln, eine Trockendiät, die noch heute
von vielen Heilpraktikern angewendet wird, um Gelenkentzündungen zu
lindern.
Die Augendiagnostik — eine Methode, körperliche oder geistige
Krankheiten durch Unregelmäßigkeiten in der Iris zu diagnostizieren
— wurde von Ignaz von Peczely, einem preußischen Chirurgen,
entwickelt. Als er seiner zahmen Eule aus Versehen ein Bein brach,
bemerkte er Veränderungen an einer bestimmten Stelle der Iris.
Vincent Prießnitz und Pfarrer Kneipp entwickelten um 1900 in
Deutschland die Hydrotherapie systematisch weiter. Die Arbeit aller
dieser Pioniere wurde im 20. Jahrhundert durch Henry Lindlahr in
den USA, James C. Thompson und Stanley Lief in Großbritannien und
Max Bircher-Benner, dem Erfinder des Müslis und Gründer einer
berühmten Klinik in Zürich, vertieft.
Es war Lindlahr, der die Grundregeln der Naturheilkunde festhielt.
Er beschrieb als »Heilkrisen« Symptome wie Fieber, Erkältungen und
Eiterungen, welche als natürliche Folge von Wiedergenesung im
Körper auftreten. Und er unterschied sie von »Krankheitskrisen«,
die auftreten, wenn die Körperreserven aufgebraucht sind und es dem
Organismus nicht mehr möglich ist, die Krankheit zu überwinden.
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