Kamillentee

Kamillentee ist häufig Mittel der Wahl, wenn es darum geht, bei einer Erkrankung, meist bei einem grippalen Infekt mit Fieber, wieder „schnell auf die Beine zu kommen“. Die Gründe, warum Kamillentee hier und bei anderen Erkrankungen gute Dienste leisten kann, habe ich in diesen Beiträgen beschrieben:

Aber gibt es auch Gründe, Kamillentee rein prophylaktisch zur Gesundheitspflege zu trinken?

Wirkungen und Eigenschaften von Kamillentee

Der Kamillentee wird aus den Blüten der Kamille zubereitet. Diese Blüten sind gelb, da die in ihnen enthaltenen Flavonoide, neben ätherischen Ölen, für diese Farbgebung verantwortlich sind. Diese Flavonoide bieten eine Reihe von positiven Wirkungen für die Gesundheitspflege. Eine Besonderheit der Kamille ist, dass sie eine signifikante Menge, ca. 10 %, an Schleimstoffen enthält. Diese verteilen sich auf die Schleimhäute des Verdauungstraktes und erhöhen somit die Schutzfunktion der Schleimhäute als Barriere.

Da die Kamille entzündungshemmend, antibakteriell und pilzhemmend wirkt, deutet sich bereits hier die hervorragende prophylaktische Wirkung für den Verdauungstrakt an. Und da rund 80 % der Immunzellen im Verdauungstrakt beheimatet sind, würde diese positive Wirksamkeit auch dem Immunsystem des Organismus zugutekommen, zumindest in indirekter Art und Weise.

Im Kamillentee sind leider große Teile der ätherischen Öle, bedingt durch die Zubereitung mit heißem Wasser, nicht mehr enthalten. Kamillen-Tinktur dagegen enthält diese ätherischen Öle, sodass man mit einigen Tropfen der Tinktur den Tee bereichern kann. Selbstverständlich enthält die Tinktur auch die Substanzen, die Flavonoide, die für die positiven Wirkungen des Kamillentees verantwortlich sind.

Oder mit anderen Worten: Eine Kombination von Tee und Tinktur verstärkt die Wirksamkeiten der Kamille im Bezug auf heilende und prophylaktische Effekte.

Kamillentee bei Erkrankungen

Die wichtigsten Erkrankungen, bei der Kamillentee eine heilende Wirkung ausüben kann, habe ich in meinem oben ausgeführten Beitrag beschrieben, inklusive die dazugehörenden Studien.

Ergänzend dazu würde ich folgende Beschwerden hinzufügen:

Menstruationsschmerzen

Krämpfe während der Menstruation lassen sich durch die Einnahme von Kamillentee deutlich lindern/abschwächen. Eine diesbezügliche Studie aus dem Jahr 2010 zeigte auch, dass die Teilnehmerinnen über weniger Stress und Ängste während ihrer Periode berichten konnten.

Osteoporose[1] [2]

Die Kamille scheint auch einen antiöstrogenen Effekt auszuüben, der hilft, die Knochendichte zu erhöhen. Daher könnte der tägliche Verzehr von Kamillentee dazu beitragen, diese Komplikationen zu verhindern beziehungsweise bei akuter Osteoporose bessere Heilungschancen zu ermöglichen.

Schlaf

Kamillentee bei Schlafstörungen hatte ich bereits im oben erwähnten Beitrag ausgiebig diskutiert. Eingedenk der Tatsache, dass Schlafprobleme[3] heute keine Ausnahme, sondern eher die Regel sind, kann dieses Problem nicht deutlich genug hervorgehoben werden.[4]

Ein regelmäßiger Konsum von Kamillentee vor dem zu Bett gehen scheint hier ein kleines „Geheimrezept“ zu sein, um Schlafprobleme zu mildern oder sogar zu beseitigen. Anscheinend scheint Kamillentee Wirkmechanismen zu nutzen, die auch von Benzodiazepinen der Schulmedizin angesprochen werden und einschlaffördernde Wirksamkeit ausüben. Denn die Wirksubstanzen im Kamillentee sprechen genau die Rezeptoren an, die auch von Benzodiazepinen angesprochen werden.

Allerdings gibt es keinen Grund zur Sorge, dass hier eine „Kamillentee-Abhängigkeit“ entsteht, vergleichbar mit Abhängigkeitserscheinungen, die von Benzodiazepinen her bekannt sind. Die Wirksamkeit von Kamillentee im Vergleich zu Benzodiazepinen ist ebenfalls ungleich „sanfter“ und nicht bei jedem gleich gut ausgeprägt. Hier kommt es auf einen Versuch an, ob man auf Kamillentee in dieser Beziehung gut anspricht.

Hauterkrankungen

Kamillenextrakte sind bekannt dafür, die Wundheilung zu fördern. Besonders bei Läsionen der Schleimhäute in der Mundhöhle und beim Zahnfleisch leistet Kamille hervorragende Dienste, sei es als Tee oder als Tinktur zur Mundspülung.

Auch auf der Haut in Form von Creme bei Ekzemen und entzündlichen Hauterkrankungen scheint die Kamille einen heilenden Effekt auszuüben. Dieser Effekt ist nicht so ausgeprägt wie bei den Hydrocortison-Präparaten. Dafür gibt es aber keine Bedenken, diese Cremes über einen längeren Zeitraum zum Einsatz zu bringen.

Senkt Kamillentee das Mortalitätsrisiko?

In meinem alten Beitrag hatte ich schon einmal darauf hingewiesen, dass es Hinweise gibt, dass der dauerhafte Genuss von Kamillentee eine lebensverlängernde Wirkung hat. Allerdings zeigte die Studie, die ich dazu zitiert hatte, nur einen Effekt bei Frauen, der bei 29 % anzusiedeln war, nicht jedoch für Männer. Für diesen Unterschied gibt es allerdings keine Erklärungen.

Man spricht zwar von den positiven gesundheitlichen Effekten von Kamillentee, also die Entzündungshemmung, der positive Einfluss auf Diabetes, die beruhigende Wirkung etc. als mögliche Faktoren, die zu einer „lebensverlängernden“ Wirkung beitragen. Dem steht entgegen, dass es andere Heilpflanzen und Heilpilze gibt, die die gleichen Wirkprofile für sich beanspruchen können, bei denen aber eine derart explizite lebensverlängernde Wirkung zumindest noch nicht nachgewiesen wurde. Und auch die Tatsache, dass Männer offenbar nicht in den Genuss dieser Wirkung kommen, obwohl die entzündungshemmende etc. Wirksamkeit der Kamille auch bei ihnen zum Tragen kommt, macht diese Aussage wohl etwas zu optimistisch.

Gibt es Kontraindikation für etwas wie Kamillentee?

Die Kamille in ihren verschiedenen Darreichungsformen ist so verträglich und heilsam, dass man sich „Kontraindikationen“ kaum vorstellen kann. Aber auch hier kommt die Regel mit entsprechenden Ausnahmen, auch wenn diese äußerst selten sind:

Es gibt Menschen, die auf viele natürliche Stoffe allergisch reagieren. Dazu gehört auch die Kamille. Menschen, die generell auf Korbblütler allergisch reagieren, haben auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gegen Kamille allergisch zu sein. Hier ist von einem Konsum von Kamillentee etc. abzuraten.

Auch Allergiker mit starken Allergiesymptomen sollten hier eher vorsichtig sein. Denn die Kamillenblüten, aus denen der Tee gewonnen wird, beherbergt eine Vielzahl verschiedener Pollen von anderen Pflanzen, die eine Pollenallergie verstärken können.

Kamillentee, so wirksam und heilsam er sein mag, ist mit Sicherheit kein Ersatz für eine medikamentöse Behandlung, auch wenn das Wirkprofil der jeweiligen Erkrankung entspricht. Je nach Erkrankung und Schweregrad ist es empfehlenswert, den Kamillentee zusätzlich zur medikamentösen Behandlung einzunehmen, allerdings in Absprache mit dem behandelnden Arzt.

Wo kaufen?

Kamillentee im Beutel aus dem Supermarkt ist bestenfalls Mittel der letzten Wahl, da durch die Verarbeitung der Blüten ein Großteil des Wirkstoffes verloren gegangen ist. Es ist fraglich, ob vom verbleibenden Rest der Wirksubstanzen überhaupt noch eine Heilwirkung ausgehen kann.

Garantierte Wirkstoffmengen für ein Produkt gibt es nur bei Kamillentees aus der Apotheke. Außerdem sollten diese Präparate auch auf Schadstoffe untersucht worden sein. Da Arzneitees nicht als Lebensmittel gelten, inklusive Kamillentee, gibt es kein „Bio-Siegel“, welches nur Lebensmitteln vorbehalten ist. Ein Kamillentee aus dem Bioladen dagegen, welcher ein „Bio-Siegel“ trägt, gilt als Lebensmittel, was dann aber keine Garantie für einen ausreichenden Gehalt an Wirkstoffen mit sich bringt.

 

[1]     Osteoporose – Naturheilkunde, Hausmittel, Homöopathie und mehr

[2]     Osteoporose – Die Knochenentkalkung – Yamedo

[3]     Schlafstörung und Schlafprobleme: Naturheilkunde und Hausmittel

[4]     Was hilft gegen Schlafprobleme und gegen Schlaflosigkeit?