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Mutterkraut (Tanacetum parthenium)

Kleine Zierblume mit großer Wirkung

Obwohl Mutterkraut bereits im Altertum bei verschiedenen Leiden eingesetzt wurde, ist es in heutiger Zeit fast in Vergessenheit geraten.

Dabei hilft die Pflanze, deren Blüten der nah verwandten Kamille ähnlich sind, nicht nur bei Zyklusstörungen und Wechseljahrsbeschwerden, sondern ebenso bei Migräne und chronischen Entzündungen.

Selbst Krebs soll man, laut neuerer Studien, mit Mutterkraut behandeln können.

Viele Namen – ein Kraut

Mutterkraut wird hierzulande auch als Wucherblume oder als Fieberkraut bezeichnet. Ihre weiß-gelben Blütenkörbchen haben ihr außerdem die Namen Zierkamille, Falsche Kamille und Römische Kamille eingebracht. Wissenschaftlich sind ebenfalls mehrere Namen für die zur Familie der Korbblütler gehörende Pflanze geläufig: Tanacetum parthenium und Chrysanthemum parthenium. In Großbritannien, wo dem Mutterkraut eine größere Beachtung geschenkt wird, ist es unter dem Namen Feverfew (übersetzt etwa: Fiebersenker) bekannt.

Bedeutung des Mutterkrauts in früherer Zeit

Das Mutterkraut wird traditionell gerne in Bauerngärten angepflanzt, wobei es mittlerweile nur noch wenig bekannt ist. Es kommen zahlreiche verschiedene Kulturformen vor. Der griechische Arzt Pedanios Dioscurides beschrieb bereits im ersten Jahrhundert nach Christus die Heilwirkung der Pflanze. Und auch im Mittelalter setzten die Menschen das Mutterkraut gerne gegen Fieber und Kopfschmerzen ein. Aufgrund seiner guten Wirksamkeit bezeichnen einige Forscher das Heilkraut auch als das „Aspirin des 18. Jahrhunderts“.

Seinen deutschen Namen Mutterkraut hat die Pflanze vor allem der Wirkung während der Nachgeburtsphase zu verdanken: So soll es die Ablösung der Plazenta fördern. Außerdem löst es Verkrampfungen während der Geburt und regt die Tätigkeit der Gebärmutter an. Aber auch andere positive Effekte werden  Tanacetum parthenium in der traditionellen Frauenheilkunde nachgesagt. So soll es den Menstruationszyklus regulieren, die Monatsblutung und den Eisprung fördern und Regelschmerzen lindern.

Mutterkaut gegen Migräne

Mutterkraut wird vor allem im englischsprachigen Raum gerne als alternatives Mittel gegen Migräne und Kopfschmerzen eingesetzt (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22096324).

Die regelmäßige Einnahme von zwei bis drei frischen Blättern hilft demnach Betroffenen dabei, Migräneattacken vorzubeugen (unter anderem in www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3929876).

Allerdings gibt es andere Untersuchungen, die keinerlei positive Wirkung des Mutterkrauts bei Migräne belegen. Dies liegt vermutlich daran, dass sich die Zusammensetzung des Heilmittels – wie bei pflanzlichen Mitteln häufig – stark unterscheiden kann. Daher sind die Wissenschaftler sehr daran interessiert, die einzelnen pharmakologisch wirksamen Bestandteile von Tanacetum parthenium aufzuschlüsseln.

Dabei stellte sich heraus, dass die Blätter des Mutterkrauts, neben vielen weiteren Substanzen, spezifische Parthenolide in hoher Anzahl enthalten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Stoffe die Einengung der Blutgefäße verhindern und so Migräneanfällen vorbeugen.

Im Gegensatz zu geläufigen Schmerzmitteln, die bei Migräne oft angewendet werden und die Schmerzen lediglich betäuben, hilft Mutterkraut, dass diese erst gar nicht entstehen. Empfehlenswert ist es, die Mittel bereits dann einzunehmen, wenn man die ersten Anzeichen von Kopfschmerzen  bemerkt. Die Präparate sollten dabei mindestens 0,2 Prozent Parthenolide enthalten.

Mutterkraut schützt vor Entzündungen und möglicherweise auch vor Krebs

Seit Jahrhunderten wird Mutterkraut erfolgreich bei chronischen Entzündungen, etwa bei Arthritis eingesetzt. Es scheint die körpereigenen Prostaglandine, die bei Entzündungsreaktionen ausgeschüttet werden, zu hemmen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6107575 und www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21603970).

Unter anderem sind die antioxidativen Eigenschaften von Mutterkraut beschrieben. Allerdings zeigt eine Studie, dass die Heilwirkung der Pflanze nicht ausschließlich durch die oben beschriebenen Parthenolide hervorgerufen werden kann. Denn ein Extrakt, der diese Substanzen nicht enthält, arbeitet ebenfalls als hervorragendes Antioxidans in unserem Körper (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18071724).

Krebs wird von vielen Wissenschaftlern als eine entzündliche Erkrankung betrachtet. Denn Entzündungsprozesse sind eines der Hauptsymptome bei Krebs.

Die Wirkung von Mutterkraut auf verschiedene Krebszellen wurde vor einigen Jahren eingehend untersucht. Es zeigte sich, dass das Mutterkraut das Wachstum von Krebszelllinien (Gebärmutterhalskrebs und Brustkrebs) unter Laborbedingungen hemmen kann (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16579729).

Es stellte sich heraus, dass die Mutterkraut-Präparate menschliche Transkriptionsfaktoren (NF-Kappa B) blockieren können, die bei Krebs fehlerhaft arbeiten und ein unkontrolliertes Wachstum der Zellen begünstigen. Während NF-Kappa B normalerweise in Zellen nur angeschaltet wird, um eine Entzündung zu bekämpfen, ist es in Tumorzellen ständig aktiv (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10962577).

Zurzeit versuchen Wissenschaftler, ein Medikament auf Basis des Mutterkrauts gegen Leukämie zu entwickeln, denn der Extrakt tötet bereits die entarteten Stammzellen ab. Dies ist außergewöhnlich, denn alle bisherigen Medikamente greifen die Krebszellen erst in einem späteren Stadium an (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17336250).

Verträglichkeit von Präparaten mit Mutterkraut

Im Allgemeinen gilt Mutterkraut als sehr gut verträglich. Da Mutterkraut aber möglicherweise Kontraktionen auslösen kann, sollte es während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Für Kinder unter zwölf Jahren liegen keine genauen Daten vor. Daher ist von einer Einnahme für Frauen während der Stillzeit und für Kinder grundsätzlich abzuraten.

Bei einer bekannten Allergie gegen Kamille, Schafgarbe oder Beifuß sollten Mutterkraut-Präparate nicht eingenommen werden.

Selten kann es zu Hautirritationen (Kontaktdermatitis) an Mund oder Zunge kommen. Ist dies der Fall, sollte das Heilmittel sofort abgesetzt werden. Gleiches gilt, wenn andere, bisher nicht bekannte Symptome auftreten, die in Verbindung mit der Einnahme stehen könnten.
Patienten, die blutverdünnende Mittel einnehmen, sollten Mutterkraut ebenfalls meiden.

Wer Mutterkraut über einen langen Zeitraum einnimmt, sollte es nur nach und nach absetzen. Denn sonst kann es vorrübergehend zu Kopfschmerzen, Muskelsteifheit, Nervosität, Schlaflosigkeit oder Schmerzen kommen.