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Melissengeist

Melissengeist ist ein alkoholischer Auszug aus Melisse, auch Zitronenmelisse genannt. Der Lippenblütler (verwandt mit Pfefferminze, Thymian und Majoran) wird seit dem Mittelalter in jedem Klostergarten kultiviert. Hauptwirksame Inhaltsstoffe des Krautes sind ätherischen Öle, Rosmarinsäure und Schleimstoffe, daneben weitere Verbindungen wie Kaffesäure. Bei innerer Anwendung und als Badezusatz gilt Melisse als Mittel zur Entspannung. Bekannt ist das Heilkraut auch für seine entkrampfende Wirkung und sogar antibiotische Eigenschaften wurden nachgewiesen. Daher ist Melisse auch ein Naturheilmittel gegen Erkältungen und Hautreizungen.

Erfinderin des Melissengeistes ist die Ordensfrau Maria Clementine Martin, die im 18. Jahrhundert in Köln und Münster wirkte. Die Zulassung der Tinktur wurde von der Kölner Regierung jedoch abgelehnt, weil die Rezeptur dem Regensburger Karmelitergeist zu ähnlich war. Melissengeist enthält in geringen Mengen noch Zitrone, Zimt, Engelwurz, Muskatnuss, und Koriander und diese Zutaten sind auch Bestandteile der Regensburger Tinktur. Einzig das zugefügte Nelkenpulver unterschied den Melissengeist von seinem Konkurrenz-Produkt. Maria Clementine bat dann den Preußischen König um Erlaubnis zur Herstellung und durfte ihren Melissengeist schließlich auf den Markt bringen. Auf dem Etikett prangte nun der Preußische Adler.

Melissengeist wird heute noch bei Verdauungs-Problemen empfohlen. Die maximale Einzeldosis beträgt 5 ml (1 Teelöffel) und darf mehrmals täglich oral eingenommen werden. Die äußerliche Anwendung dient der Förderung der Hautdurchblutung.

Wer Melissengeist selber herstellen möchte, nimmt 20 g Melissenkraut und nach Belieben Pulver der Muskatnuss, Koriander, Engelwurz und Gewürznelken sowie etwas geriebene Zitronenschale. Die Mischung wird mit 1 l Alkohol (60 % vol. bis 80 % vol.) aufgefüllt und muss 2 Wochen ziehen. Dann wird der Sud mit einem Kaffeefilter abgeseiht und ist zur Anwendung bereit.

Nebenwirkungen können sich aus dem hohen Alkohol-Gehalt ergeben, die bei ordnungsgemäßer Dosierung allerdings nicht auftreten. Nach der äußerlichen Einreibung soll Sonneneinstrahlung vermieden werden, weil die Furocumarine der Engelwurz im Zusammenwirken mit der UV-Strahlung Hautreizungen hervorrufen.