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Heilpflanze Baldrian (Valeriana officinalis)

Baldrian als Heilpflanze ist fast jedem ein Begriff. Doch wie die Pflanze aussieht, wissen nur wenige Menschen. Dabei gedeiht sie auch als Kulturpflanze im Garten.

Baldrian wird bis zu einem Meter hoch, hat große Fiederblätter und kleine rötlich-weiße Blüten. Baldrian wird auch als Katzenkraut oder Katzenwurzel, Stinkwurz oder Waldspeik bezeichnet.

Vorkommen

Baldrian stammt als Wildpflanze aus den klimatisch gemäßigten Zonen Europas und Asiens. Die Heilpflanze bevorzugt feuchte Wiesen und die Nähe zu Wasser. Sie wächst jedoch auch auf trockenen Böden. An die Lichtverhältnisse hat Baldrian ebenfalls keine besonderen Anforderungen. Der anspruchslose Echte Baldrian ist wild in Ebenen und im Gebirge bis in Höhen von zweieinhalbtausend Metern zu finden.

Merkmale

Der Echte Baldrian ist eine kräftige und ausdauernde Pflanze mit einem kantigen und hohlen Stängel. Die unpaarig gefiederten Blätter sitzen gegenständig am Stängel. Am Ende der Stängel bilden sich Blütendolden mit kleinen weißen bis rötlichen Blüten, die einen süßlichen Duft haben. Echter Baldrian blüht ab Mai bis in den Sommer hinein.

Verwendete Pflanzenteile

Als medizinische Droge wird die Wurzel des Baldrians (Valerianae radix) genutzt. Die Wurzel wird ausgegraben und gesäubert, die kleinen Wurzelfasern werden entfernt. Anschließend wird die Wurzel getrocknet. Erst jetzt entwickelt sich der charakteristische Geruch des Baldrians.

Wirkstoffe des Baldrian

Baldrian enthält Valepotriate, ätherisches Öl, Alkaloide, Phenolcarbonsäuren und Sesquiterpene. Während des Trocknungsprozesses darf die Temperatur nicht über 40 °C ansteigen, da sonst die Wirksamkeit der Valepotriate zerstört wird. Die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe werden am besten bei Trocknungstemperaturen um 35 °C erhalten. Der Trocknungsprozess der Wurzeln kann bis zu 50 Stunden andauern.

Pharmakologie

Baldrianwurzel wirkt beruhigend, Schlaf fördernd und krampflösend. Besonders die Valepotriate lindern Krämpfe und krampfartige Schmerzen. Für die beruhigende und Schlaf fördernde Wirkung ist nicht ein einzelner Inhaltsstoff der Wurzel verantwortlich. Untersuchungen haben ergeben, dass nur die Gesamtheit der Wirkstoffe der Baldrianwurzel den gewünschten Effekt hat. Die Wurzel zählt im europäischen Raum zu den am häufigsten angewendeten pflanzlichen Zubereitungen, die als Beruhigungsmittel eingenommen werden. Gepulverte Baldrianwurzel oder eine Tinktur daraus sind Bestandteile vieler Fertigarzneimittel. Durch die Einnahme von standardisierten Fertigarzneimitteln bessern sich nervöse Reizzustände, Einschlafprobleme, Durchschlafprobleme und auch nervöses Herzklopfen. Gegen Einschlafstörungen trinke man zum Beispiel unmittelbar vor dem Zubettgehen 1-2 Tassen warmen Tee schluckweise.

Spastische Schmerzen des Magen- und Darmtraktes und der Gebärmutter werden ebenfalls gut gelindert. In den Wechseljahren und bei Beschwerden, die durch das prämenstruelle Syndrom ausgelöst werden, wirken Zubereitungen aus der Baldrianwurzel auf die Muskulatur entspannend. Gleichzeitig werden „seelische Verspannungen“ (vegetative Dystonie) gelöst. Auch bei längerer Anwendung der Baldrianwurzel als Beruhigungs- und leichtes Schmerzmittel wirkt die Heilpflanze nicht suchtauslösend.
Weitere Anwendungsmöglichkeiten die beschrieben werden:
„Nervöse Erscheinungen“, die mit Angst und Krampfzuständen einhergehen: z. B. nervöser, einseitiger Kopfschmerz, Kopfschmerzen nach geistiger Überarbeitung, Blutandrang zum Kopf, Angst- und Krampfzustände, die durch Blähungen verursacht werden, nervöses Herzklopfen, Asthma, nervöse Magenbeschwerden oder -krämpfe, krampfartiges Erbrechen, Unruhe, nervöser Schwindel, nächtliches Aufschrecken der Kinder, Beschwerden der Wechseljahre.

Anwendung als Baldriantee

Bei der Einnahme von Fertigarzneimitteln, die Baldrianwurzel oder Extrakte daraus enthalten, sollte die Anwendungsvorschrift des Beipackzettels befolgt werden. Ebenfalls sehr bewährt hat sich die Anwendung als „loser“ Tee. Dafür werden zwei Teelöffel Baldrianwurzel mit 250 Millilitern kochendem Wasser übergossen. Der Tee muss etwa 15 Minuten zugedeckt ziehen. Nun den Sud abseihen und langsam schluckweise trinken.

Ein weiteres Baldriantee-Rezept: Man nehme 10 g fein zerschnittene Baldrianwurzel auf 1 Tasse kaltes Wasser und lasse dieses 12 Std. stehen. Dann koche man kurz auf, lasse nochmals 10 Min. ziehen und seihe ab. Der so gewonnene Tee ist warm zu trinken.

Baldriantinktur

Baldriantinktur kann wie folgt herstellen:

  1. 200 g fein zerschnittene Wurzeln werden mit 1 Liter reinem Alkohol angesetzt.
  2. 160 g zerkleinerte Wurzeln und 10 g zerkleinerte Kalmuswurzeln werden mit 1 Liter reinem Alkohol angesetzt. Dieses lässt man 2-3 Wochen bei mäßiger Wärme stehen.

Zur Beruhigung und „Schlafförderung“ hat sich ebenfalls ein Baldrian-Bad bewährt. Für ein Vollbad müssen 100 Gramm Baldrianwurzel in einem Liter Wasser zwölf Stunden lang ausgezogen werden. Die abgeseihte Flüssigkeit wird ins Badewasser gegeben.
An Stelle des Baldriantees (wie oben beschrieben), kann man auch gegen die oben aufgeführten Beschwerden auch die Baldriantinktur verwenden. Man nimmt jeweils 10-30 Tropfen Baldriantinktur auf etwas Zucker.

Es ist ratsam, nach 2-3 Wochen statt Baldrian Melisse oder Raute anzuwenden und später wieder Baldrian zu nehmen. Nach längerer Anwendung kann nämlich die Wirkung des Baldrians schwächer werden und u. U. gegenteilig werden. - Weil Baldrian etwas verstopfend wirkt, empfiehlt es sich, tägl. 1 Tasse Tausendgüldenkraut-Tee zu trinken.

Baldrianöl

Baldrianöl kann man zur Massage bei Muskelkrämpfen verwenden.

Bei Unterleibskrämpfen wurde in früheren Zeiten auch Einlauf mit Baldrian Tee gemacht. Selbstverständlich muss der Tee auf Körpertemperatur abgekühlt sein.

Baldrian in der Homöopathie

Das homöopathische Mittel Valeriana officinalis wird aus der getrockneten Wurzel hergestellt und bei nervösen Herzbeschwerden, Überreiztheit, bei klimakterischen Beschwerden, Kopfschmerzen und bei Schlafproblemen eingesetzt.


 

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