Holunderblüten (Sambucus nigra)

Kaum ein Gewächs ist in der Volksmedizin beliebter als der Holunder, auch bekannt als Hollerbusch oder Elderbaum. Einst Wohnort der Hausgötter, ist das Gehölz noch heute oft in der Nähe von Anwesen und Gehöften zu finden. Beliebt sind vor allem die Früchte, die auch Fliederbeeren heißen und zu Saft, Wein und Marmelade verarbeitet werden.

 

Vorkommen
Holunder ist in ganz Eurasien und Nordafrika verbreitet, wo der Strauch auf nährstoffreichen Böden auf Waldlichtungen, an Feldrainen und in Gärten sowie an Gewässerrandbereichen gedeiht.

 

Merkmale
Sambucus nigra ist ein Strauch mit einer Höhe von  3 bis 7 Metern. Die markgefüllte Zweige sind mit einer grünlich-fahlen Rinde bedeckt, die gefiederten Blätter sind gegenständig angeordnet und von kräftigem Grün. Die etwa im Juni aufbrechenden zarten weißen Blüten sind in großen, flachen Dolden angeordnet und verströmen einen würzigen, leicht bitteren Duft. Aus den Blüten entstehen die typischen dunkel-violetten Beeren.

 

Verwendete Pflanzenteile (Rohdrogen)
Für Heilbehandlungen werden die Beeren (Fructus Sambuci), Blüten (Sambuci Flos) und die Rinde (Cortex Sambuci) herangezogen. Die Blätter sollen aufgrund giftiger Bestandteile nicht oder höchstens äußerlich verwendet werden.

 

Inhaltsstoffe und Wirkung

Die Blüten enthalten Glykoside, Tannine, Schleim, Pektine, ätherisches Öl, Vitamin C, Vitamin A, B, Gerbstoffe, die Mineralien Eisen und Zink, Spurenelemente sowie Pflanzenwirkstoffe wie Flavonoide und Polyphenole.  Alle diese Inhaltsstoffe geben der Pflanze eine harn- und schweißtreibende, abführende, entzündungshemmende und antiseptische Wirkung. Die in Holunderblüten ebenfalls enthaltenen Antioxidantien wehren freie Radikale ab, neutralisieren diese und schützen den Körper vor Zellschädigungen.

Traditionell werden Holunderblüten als „Entgiftungsmittel“ genutzt, um das Immunsystem zu stärken, indem in den Lymphknoten enthaltene Giftstoffe durch Ausschwemmung abgebaut werden. In der Behandlung von fieberhaften Atemwegserkrankungen werden neben den aufbauenden und schweißtreibenden auch die schleimlösenden Eigenschaften der Holunderblüte in der Aufbereitung als Tee genutzt.

Die Früchte sind reich an Vitamin C und B sowie antioxidativen Anthocyanen, Flavonoiden und Polyphenolen. Organische Säuren, Gerbstoffe und ätherische Öle sind weitere Bestandteile der Beeren, die bei entzündlichen Erkrankungen wie Erkältung, Grippe, Harnwegsentzündungen helfen. Die Wirkstoff-Kombination unterstützt auch die Schleimlösung, lindert Schmerzen und bekämpft Bakterien und Pilze.

Holunder ist in der Naturheilkunde und Volksmedizin ein Allzweckmittel mit breitem Wirkungs-Spektrum. Dabei steht die Immun-Stärkung im Vordergrund, aber auch entzündliche Gelenkbeschwerden können gelindert werden. Die äußerliche Anwendung hilft bei Hauterkrankungen wie Ekzemen und Abszessen sowie Insektenstichen. Auch bei Nervenbeschwerden ist Holunder empfehlenswert.

 

Anwendung

Tatsächlich wurden  alle Pflanzenteile mit Ausnahme der Blätter sowohl  in der Volksmedizin als auch in der Küche verwendet. Beliebt sind auch heute noch die Hollerküchlein. Das sind kleine Pfannkuchen, bei denen die Blütendolden in den Teig getaucht und dann ausgebacken werden. Auch Sirup wird mit den Blüten aromatisiert oder man setzt die Blüten mit Zucker, Wasser und Zitrone an.

Wenn man alles nach dem Abseihen in Flaschen füllt und diese eine Zeitlang in die Sonne stellt, beginnt die Flaschengärung und es entsteht Holundersekt. Die Beeren ergeben ein dunkles, aromatisches Gelee oder den beliebten Holundersaft, der reich an Vitaminen und Antioxidantien ist. Allerdings müssen die Beeren gekocht werden. Roh sind sie aufgrund eines enthaltenen Glykosids unbekömmlich bis leicht giftig. An altem Holunderholz wachsen im Winter die besonders in asiatischen Gerichten beliebten Judasohren, auch Mu Err-Pilze genannt.

Die Kräutermedizin kennt Holunderblütentee, bekannter auch als Fliedertee, ebenfalls in der Anwendung zur Blutreinigung sowie als Tonikum oder Salbe zur Behandlung von Sommersprossen oder Hautunreinheiten.

Viele moderne Hautessenzen enthalten in ihrer Zusammensetzung noch Bestandteile von Holunderblüten. Andere Anwendungen zur Nutzung der entschlackenden Wirkung sind Leberkuren, die Behandlung von Pilzinfektionen, Rheuma, Zahnschmerzen oder Harnwegserkrankungen.

In Kombination mit Enzianwurzel, Eisenkraut, Schlüsselblume und Sauerampfer kommen Holunderblüten zur Hygiene der Nasennebenhöhlen und der Behandlung von Sinusitis zum Einsatz. Als Kompresse zur Anwendung bei Augenlid-Ekzemen reduziert die Blüte Entzündungen und verflüssigt die Infektion.

Die Holunderblüten werden im Juni und Juli geerntet, wenn mehr als zwei Drittel von ihnen geblüht haben. Dazu werden die ganzen Dolden abgeschnitten und gebündelt oder ausgebreitet getrocknet. Das Abrebbeln der getrockneten Blüten muss sehr vorsichtig erfolgen, damit die Wirkstoffe nicht durch die in den Blüten enthaltenen Fermente zerstört werden. Zur eigenen Herstellung werden mindestens 10-12 große Holunderblüten, 1 Zitrone, Ascorbinsäure, 800 g Zucker, eine Messerspitze Hefe und 10 Liter Wasser in einem Glas gemischt und für 3-4 Tage in die Sonne gestellt. Die Mischung wird abschließend gefiltert, in Flaschen abgefüllt und bis zur Verwendung kühl gestellt.

Bei Beachtung der vorgeschriebenen Dosierung sind bei Verwendung von Holunderblüten keine Nebenwirkungen zu verzeichnen, sodass die Droge (Sambuci Flos) ohne Einschränkungen auch als gesundheitsfördernder Tee ohne direkte medizinische Veranlassung genossen werden kann.

Die Beerenernte erfolgt von September bis in den Oktober hinein. Nach dem Abpflücken der Früchte von den Zweigen sollen sie mit etwas Wasser eine viertel Stunde abgekocht und durch ein Leintuch ausgepresst werden. Das Filtrat gieße man in Glasgefäße, die verschlossen im kochenden Wasserbad eine halbe Stunde sterilisiert werden. Zur Herstellung von Holunderbeeren-Sirup wird der Saft vor dem Sterilisieren mit Honig angereichert. Der Saft mit etwas Honig kann im Gärballon zu Wein verarbeitet werden.

Die getrocknete Rinde und die Wurzeln dienen zur Zubereitung von Tee, der als Abführ- und Brechmittel sowie zur Behandlung von Rheuma. Allerdings ist die Anwendung dieser Pflanzenteile wenig verbreitet, weil es leicht zu Überdosierungen kommen kann. Die Blätter können auch (ausschließlich) äußerlich bei Hämorrhoiden und Sonnenbrand lindernd wirken.

 

Homöopathie

Das homöopathische Mittel Sambucus nigra wird aus Blüten und Blättern bereitet. Es kommt zumeist als Urtinktur oder D3 bzw. D6 Dilutionen zur Stärkung der Abwehrkräfte geschwächter Kinder, gegen Schnupfen oder Asthma zur Anwendung. Globuli mit den Potenzen D4 bis D10 werden bei Erkrankungen der Atemwege, aber auch bei Hitzewallungen in den Wechseljahren verordnet.

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DIeser Beitrag wurde letztmalig am 01.06.2021 aktualisisert.