Heilpflanzen Lexikon
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Kaum ein Gewächs ist in der Volksmedizin beliebter als der Holunder, auch bekannt als Hollerbusch oder Elderbaum. Einst Wohnort der Hausgötter, ist das Gehölz noch heute oft in der Nähe von Anwesen und Gehöften zu finden. Beliebt sind vor allem die Früchte, die auch Fliederbeeren heißen und zu Saft, Wein und Marmelade verarbeitet werden.

Alle Pflanzenteile wurden sowohl  in der Volksmedizin als auch in der Küche verwendet.

 

Vorkommen

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) und Roter Holunder (Sambucus racemosa) sind heute weltweit anzutreffen. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Eurasien und Nordafrika, wo die Sträucher auf nährstoffreichen Böden auf Waldlichtungen, an Feldrainen und in Gärten sowie an Gewässerrandbereichen gedeiht. Die Heimat des Kanadischen Holunders (Sambucus canadensis) ist Nordamerika. Sambucus williamsii ist eine fernöstliche Art, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin eine große Rolle spielt.

 

Merkmale

Der Schwarze und Rote Holunder sind Sträucher, manchmal auch Bäume,  mit einer Höhe von  3 bis 10 Metern. Die markgefüllte Zweige sind mit einer grünlich-fahlen Rinde bedeckt, die gefiederten Blätter sind gegenständig angeordnet und von kräftigem Grün. Die von Mai bis Juni aufbrechenden, zarten weißen Blüten sind in großen, flachen Dolden angeordnet und verströmen einen würzigen, leicht bitteren Duft. Aus den Blüten entstehen ab Juli die typischen dunkel-violetten Beeren des Schwarzen Holunders. Die Früchte des Roten Holunders behalten ihre rötliche Färbung bis nach der Reife bei.

In Mitteleuropa verbreitet sich zunehmend der mediterrane Zwergholunder, der leider stark giftig ist. Von unseren strauchigen Arten ist er dadurch zu unterscheiden, dass  er als rein krautige Staude ohne Holzanteile in Erscheinung tritt. Daher ist die Wuchshöhe auch auf 1,5 Meter begrenzt. Im Gegensatz zum Roten und Schwarzen Holunder riechen die Blüten sehr unangenehm. Die Fruchtstände sind auch nicht herabhängend, wie dies bei den zum Verzehr geeigneten Arten der Fall ist. Auch die Blätter des Zwergholunders sind mit ihren recht schmalen Blattfiedern anders geformt.

 

Verwendete Pflanzenteile (Rohdrogen)

Für Heilbehandlungen werden die Beeren (Fructus Sambuci), Blüten (Sambuci Flos) und die Rinde (Cortex Sambuci) herangezogen. Die Blätter sollen aufgrund giftiger Bestandteile nicht oder höchstens äußerlich verwendet werden.

 

Inhaltsstoffe und Wirkung

Die Blüten enthalten Glykoside, Tannine, Schleim, Pektine, ätherisches Öl, Vitamin C, Vitamin A, B, Gerbstoffe, die Mineralien Eisen und Zink, Spurenelemente sowie Pflanzenwirkstoffe wie Flavonoide und Polyphenole.  Alle diese Inhaltsstoffe geben der Pflanze eine harn- und schweißtreibende, abführende, entzündungshemmende und antiseptische Wirkung. Die in Holunderblüten ebenfalls enthaltenen Antioxidantien wehren freie Radikale ab, neutralisieren diese und schützen den Körper vor Zellschädigungen.

Traditionell werden Holunderblüten als „Entgiftungsmittel“ genutzt, um das Immunsystem zu stärken, indem in den Lymphknoten enthaltene Giftstoffe durch Ausschwemmung abgebaut werden. In der Behandlung von fieberhaften Atemwegserkrankungen werden neben den aufbauenden und schweißtreibenden auch die schleimlösenden Eigenschaften der Holunderblüte in der Aufbereitung als Tee genutzt.

Die Früchte sind reich an Vitamin C und B sowie antioxidativen Anthocyanen, Flavonoiden und Polyphenolen. Organische Säuren, Gerbstoffe und ätherische Öle sind weitere Bestandteile der Beeren, die bei entzündlichen Erkrankungen wie Erkältung, Grippe, Harnwegsentzündungen helfen. Die Wirkstoff-Kombination unterstützt auch die Schleimlösung, lindert Schmerzen und bekämpft Bakterien und Pilze.

Holunder ist in der Naturheilkunde und Volksmedizin ein Allzweckmittel mit breitem Wirkungs-Spektrum. Dabei steht die Immun-Stärkung im Vordergrund, aber auch entzündliche Gelenkbeschwerden können gelindert werden. Die äußerliche Anwendung hilft bei Hauterkrankungen wie Ekzemen und Abszessen sowie Insektenstichen. Auch bei Nervenbeschwerden ist Holunder empfehlenswert.

 

Anwendung der Holunderblüten

Mit Ausnahme der Blüten sollten alle anderen Pflanzenteile abgekocht werden.  Grund ist der Inhaltsstoff Sambunigrin, der kleine Mengen Blausäure abgibt, wodurch Magen-Darm-Probleme entstehen können. Die frischen Blüten eignen sich als Zutat zu Salaten und Kompott.

Beliebt sind auch heute noch die Hollerküchlein. Das sind kleine Pfannkuchen, bei denen die Blütendolden in den Teig getaucht und dann ausgebacken werden. Auch Sirup wird mit den Blüten aromatisiert oder man setzt die Blüten mit Honig,  Wasser und Zitrone an.

Wenn man alles nach dem Abseihen in Flaschen füllt und diese eine Zeitlang in die Sonne stellt, beginnt die Flaschengärung und es entsteht Holundersekt. Die Beeren ergeben ein dunkles, aromatisches Gelee oder den beliebten Holundersaft, der reich an Vitaminen und Antioxidantien ist. Allerdings müssen die Beeren gekocht werden. Roh sind sie aufgrund eines enthaltenen Glykosids unbekömmlich bis leicht giftig. An altem Holunderholz wachsen im Winter die besonders in asiatischen Gerichten beliebten Judasohren, auch Mu-Err-Pilze genannt.

Die Kräutermedizin kennt Holunderblütentee, bekannter auch als Fliedertee, ebenfalls in der Anwendung zur Blutreinigung sowie als Tonikum oder Salbe zur Behandlung von Sommersprossen oder Hautunreinheiten.

Viele moderne Hautessenzen enthalten in ihrer Zusammensetzung noch Bestandteile von Holunderblüten. Andere Anwendungen zur Nutzung der entschlackenden Wirkung sind Leberkuren, die Behandlung von Pilzinfektionen, Rheuma, Zahnschmerzen oder Harnwegserkrankungen.

In Kombination mit Enzianwurzel, Eisenkraut, Schlüsselblume und Sauerampfer kommen Holunderblüten zur Hygiene der Nasennebenhöhlen und der Behandlung von Sinusitis zum Einsatz. Als Kompresse zur Anwendung bei Augenlid-Ekzemen reduziert die Blüte Entzündungen und verflüssigt die Infektion.

Die Holunderblüten werden im Juni und Juli geerntet, wenn mehr als zwei Drittel von ihnen geblüht haben. Dazu werden die ganzen Dolden abgeschnitten und gebündelt oder ausgebreitet getrocknet. Das Abrebbeln der getrockneten Blüten muss sehr vorsichtig erfolgen, damit die Wirkstoffe nicht durch die in den Blüten enthaltenen Fermente zerstört werden. Zur eigenen Herstellung werden mindestens 10 – 12 große Holunderblüten, 1 Zitrone, Ascorbinsäure, 800 g Zucker, eine Messerspitze Hefe und 1 Liter Wasser in einem Glas gemischt und für 3 – 4 Tage in die Sonne gestellt. Die Mischung wird abschließend gefiltert, in Flaschen abgefüllt und bis zur Verwendung kühl gestellt.

Bei Beachtung der vorgeschriebenen Dosierung sind bei Verwendung von Holunderblüten keine Nebenwirkungen zu verzeichnen, sodass die Droge (Sambuci Flos) ohne Einschränkungen auch als gesundheitsfördernder Tee ohne direkte medizinische Veranlassung genossen werden kann.

Zum Anlegen eines Vorrates können die Blüten bei 40°  C einer Trocknung unterzogen werden. Vorher sollten die Blütenstände bei Zimmertemperatur ein paar Stunden lagern, damit Insekten das Weite suchen können.

 

Anwendung der Holunderbeeren

Die Beerenernte erfolgt von September bis in den Oktober hinein. Nach dem Abpflücken der Früchte von den Zweigen sollen sie mit etwas Wasser eine viertel Stunde abgekocht und durch ein Leintuch ausgepresst werden. Das Filtrat gieße man in Glasgefäße, die verschlossen im kochenden Wasserbad eine halbe Stunde sterilisiert werden. Zur Herstellung von Holunderbeeren-Sirup wird der Saft vor dem Sterilisieren mit Honig angereichert. Der Saft mit etwas Honig kann im Gärballon zu Wein verarbeitet werden.

Die getrocknete Rinde und die Wurzeln dienen zur Zubereitung von Tee, der als Abführ- und Brechmittel sowie zur Behandlung von Rheuma. Allerdings ist die Anwendung dieser Pflanzenteile wenig verbreitet, weil es leicht zu Überdosierungen kommen kann. Die Blätter können auch (ausschließlich) äußerlich bei Hämorrhoiden und Sonnenbrand lindernd wirken.

 

Fertig-Präparate

Dem Verbraucher steht heute ein großes Angebot an Holunder-Präparaten zur Verfügung.  Erhältlich sind Trocken-Extrakte in loser Pulver-Form, verkapselt oder verpresst. Daneben gibt es Teemischungen, Pastillen und auch den fertigen Saft, Limonaden, Sirup und Marmeladen.

 

Homöopathie

Das homöopathische Mittel Sambucus nigra wird aus Blüten und Blättern bereitet. Es kommt zumeist als Urtinktur oder D3 bzw. D6 Dilutionen zur Stärkung der Abwehrkräfte geschwächter Kinder, gegen Schnupfen oder Asthma zur Anwendung. Globuli mit den Potenzen D4 bis D10 werden bei Erkrankungen der Atemwege, aber auch bei Hitzewallungen in den Wechseljahren verordnet.

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Heilpflanzen-Newsletter dazu an. Darin geht es im Wesentlichen um Heilpflanzen, aber auch um Bachblüten oder Homöopathische Mittel:

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 18.08.2022 aktualisiert.

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Wer schreibt hier

Ich begleite seit 1998 Patienten in meiner Naturheilpraxis auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden. Meine eigene Reise begann 1996, als ich nach einer schweren Erkrankung die Schulmedizin hinter mir ließ. Diese Herausforderung brachte mich zur Naturheilkunde, die nicht nur meine Gesundheit wiederherstellte, sondern auch mein Verständnis von ganzheitlicher Heilung für immer veränderte.

Dieser Blog ist mein persönlicher Raum, um Erfahrungen, praktische Tipps und Erkenntnisse aus der Naturheilkunde und Alternativmedizin mit Ihnen zu teilen. Mein Ziel ist es, die Möglichkeiten dieser Ansätze verständlich und greifbar zu machen – für Ihre Gesundheit und Ihr Leben.

René Gräber, Hufenweg 24, 24211 Preetz, E-Mail: [email protected]

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